Montag, 24. Juni 2013
Vorzeichen richtig deuten lernen
Ich hätte es alles voraussehen können. Ja wirklich! Rückblickend war es bereits am Tage des Bewerbungsgesprächs absehbar, dass hier etwas ganz und gar falsch lief...

In meiner Euphorie warf ich mich am Tag der Tage für das Vorstellungsgespräch in Schale. Anzughose, Bluse, Turnschuhe -was bei meiner Konfirmation nicht falsch war, konnte es beim restlichen Leben auch nicht sein... Ich meine damit die Schuhe. Aber nun gut. Ich putzte mich also raus, gab meine Tochter bei meiner Mutter ab und fuhr los. Viel zu früh. 30 Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit stand ich also mit schweißnassen Pfoten unten vor der Tür und drückte den Klingelknopf über dem unzählige Schilder mit verschiedenen Firmennamen angebracht waren.

"Hallo?!" schallte es aus der Sprechanlage.
"Ja hallo, xy, ich habe ein Vorstellungsgespräch bei Herrn S.", sagte ich lächelnd.
"Vorstellungsgespräch?", fragte es zurück.
Ich lächelte weiterhin.
"Ja, genau.", sagte ich.
"Bei welchem Herrn S. denn? T. oder M.?", fragte die Stimme herausfordernd.
"Ähm, keine Ahnung.", sagte ich kramte in meinem Gehirn nach, ob mir die Dame aus der Buchhaltung, die mich zu dem Gespräch eingeladen hatte auch einen Vornamen mitgeschickt hatte, als neben mir die andere Tür aufging und mich ein Mann musterte.
"Mit T., ich bin nämlich M. und wir kennen uns nicht", sagte also M. freundlich und grinste.
"T." sagte ich zufrieden in die Sprecheinrichtung.
"Dann kommen Sie erst mal hoch", sagte die Stimme.

Es ertönte ein Summer und die Tür öffnete sich. Sehr schön, die erste Hürde war genommen. Ich marschierte also nach oben, öffnet die nächste Glastür und fand mich vor einem großen, jedoch unbesetzten Empfangstresen wieder. Da stand ich dann. Schließlich öffnete sich eine Tür hinter dem Tresen und eine jüngere Frau in einem Wacken-T-Shirt sah mich fragend an.

Ich sagte also freundlich: "Hallo xy mein Name, ich habe ein Vorstellungsgespräch bei T.S."
"Ach ja. Dann nehmen Sie doch da vorne in der Sitzecke erst einmal Platz", sagte die junge Dame und zeigte auf vier gemusterte Sessel, die sich vor einem riesigen Flachbildschirm gruppiert hatten, indem grade N24 lief.
Ich tat wie mir gesagt wurde und setzte mich.
"Möchten Sie einen Kaffee?", fragte die junge Dame, die mich verfolgt hatte. (Ich sage bewusst verfolgt, nicht begleitet.)
"Nein, danke. Aber ein Wasser wäre gut", sagte ich.
"Mit oder ohne Kohlensäure?", fragte sie zurück.
"Mit, danke", gab ich zur Antwort.
Die junge Dame verschwand und tauchte Minuten später mit leeren Händen wieder auf.
"Haben wir nicht", verkündete sie Schulterzuckend.
"Mit Kohlensäure?", fragte ich vorsichtig.
"Nee, Wasser", sagte sie und ging wieder in Richtung ihres Büros, das eine relativ große Glasfront auswies. Darin konnte ich noch eine Frau erkennen, die mich augenscheinlich die ganze Zeit beobachtet hatte. In dem Moment wo ich sie entdeckt hatte, versuchte sie unauffällig wegzusehen.

Nun saß ich mit trockenem Mund, nassgeschwitzen Handflächen und viel zu früh in dem Empfangsbereich einer Firma, von der ich keinen Schimmer hatte, was sie eigentlich tat. Weiß ich übrigens heute noch nicht wirklich. Ich nahm mir eine Zeitschrift über IT-Verfahren und blätterte angestrengt dreinblickend drin herum. Schließlich sollte mein Schatten aus dem gläsernen Büro denken, dass ich verstehen würde, was ich da las. Ab und an sah ich hoch und sie wieder weg. Die ersten Male dachte ich mir noch nichts dabei, nachdem sich dieses Spielchen allerdings eine halbe Stunde wiederholte, fühlte ich mich unwohl. Außerdem hatte ich die Zeitung nun durchgeblättert.

Ich widmete meine Aufmerksamkeit nun dem Raum vor mir. Es mutete wie ein großer Konferenzraum an. Drinnen war Licht, die Tür war geschlossen, Stimmen konnte man keine hören. Lediglich eine Frau mittleren Alters von kräftiger Statur war zu sehen, wie sie jemanden anzusehen schien, der sich mir aufgrund der Tür verbarg. Die Frau nickte immer wieder. Sagte jedoch 5 Minuten lang kein Wort.

Ich dachte: "Hmm."

Nun tat sich etwas. Die junge Dame im Wacken-Outfit schob sich aus dem gläsernen Büro heraus und klopfte an die Tür des vermeintlichen Konferenzraumes. Sie späte durch die Scheibe und nickte. Wer auch immer da hinter der Tür saß, er musste ständig Recht haben. Anschließend lächelte mich die junge Dame noch einmal an und verschwand wieder in ihrem Kabuff.

Ich dachte: "Hmm."

Weitere zwanzig Minuten später, hatte selbst die Frau in dem Konferenzraum das Nicken aufgegeben und starrte ihren Gegenüber nur noch mit eingefrorener Miene an. Ich selbst hatte nun zumindest keine nassen Hände mehr, denn die anfängliche Anspannung war mittlerweile einem leichten Ärger gewichen. Seit einer Stunde saß ich nun schon da und versuchte einen guten Eindruck zu machen. Das nervte.

Schließlich sah ich, wie sich die Frau in dem Konferenzraum erhob und sich die Tür öffnete. Sie verabschiedete sich von einem Herrn, der deutlich kleiner war als sie und in seinem Anzug schwitzte wie ein Schwein. Ich sagte freundlich "hallo" und der Herr bedeutete mir, dass ich eintreten sollte. Ich schwang mich also mehr oder minder elegant aus dem Sessel und viel fast erst einmal auf die Schnauze. Was ich nicht gemerkt hatte war, dass mir beide Beine eingeschlafen waren. Also hüpfte ich von einem Bein aufs andere, als ich meinem Gesprächspartner, der sich als T.S. vorstellte, die Hand schüttelte.

"Bitte nehmen Sie doch Platz", sagte er und schloss die Tür hinter uns.
"Nein, danke. Gesessen habe ich fürs Erste genug. Ich muss erst meine Beine wieder an ihre Funktion erinnern", sagte ich leicht angenervt.
"Jaaa, es tut mir auch leid. Da haben sich eben mit der anderen Bewerberin interessante Aspekte ergeben", sagte MS, während ich mich fragte, ob dies auf telepathischem Weg geschehen war, da die Frau ja nicht einmal den Mund zum Sprechen geöffnet hatte.
"Macht ja nichts", brummte ich und nahm Platz.

Die nächsten 60 Minuten saß ich auf eben diesem Platz und nickte. Bereits nach 5 Minuten wurde mir klar, dass das vermeintlich merkwürdige Verhalten meiner Vorrednerin völlig angebracht gewesen war. Nach der Hälfte der Zeit wusste ich schon nicht mehr, wohin mit meinem eingefrorenen Lächeln, also beschloss ich meinen Gesichtszügen freien Lauf zu lassen. Ich langweilte mich unglaublich und glaubte auch keine Millimeter daran, dass das hier was werden würde.

Als ich schließlich ohne -WICHTIGE- Informationen dafür bis oben hin vollgestopft mit irgendwelchen Bauchpinseleien meines Gegenübers wieder aus dem Raum entlassen wurde, traf ich auf eine durch und durch gruselig Gestalt, die mich extrem an die Blondinen aus den Manta Filmen erinnerte. Ich sagte "hallo". Sie ignorierte mich.

Um die Vorstellung noch abzurunden, drehte ich mich noch mal zu meinem Schatten aus dem gläsernen Büro um. Ihr fiel fast die Tasse aus der Hand. Die Wacken-Lady winkte leicht zum Abschied und ich war mir sicher, dass ich keine dieser Figuren je wieder sehen würde.

Wenn ich das jetzt so lese, denke ich: "Hmm."

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Sonntag, 16. Juni 2013
Aller Anfang ist schwer
Das gilt nun auch für dieses Pojekt. Aber warum nicht auch mal einen Aufbruch zu neuen Ufern wagen?

Den gleichen Spaß -also den mit den neuen Ufern- habe ich mir schließlich auch schon vor nun fast einem Jahr gegönnt. Ein guter Anlass mal Bilanz zu ziehen.

In diesem Fall war das Ufer ein Job, der mich fachlich dramatisch unterfordern und menschlich annähernd überfordern würde. Das wusste ich aber noch nicht, als ich meinem zukünftigen Chef beim Bewerbungsgespräch gegenüber saß und redete. Und redete. Und redete. Das war der erste Bewerbungsmonolog eines potentiellen Arbeitgebers, den ich je erlebt hatte. Und auch der letzte. Beim nächsten Mal renne ich sofort weg, wenn ich merke, dass es auf so eine Veranstaltung hinauslaufen sollte.

Als ich am Tag des Bewerbungsgesprächs nach Hause kam und meine Mutter mit meiner kleinen Tochter im Arm erwartungsvoll "Und?" fragte, wusste ich keine Antwort. Tja. Und was? Arbeitszeiten? Keine Ahnung. 400€ -Basis oder sozialversicherungspflichtig? Keine Ahnung. Möglicher Arbeitsbeginn? Was weiß ich.

So beendeten wir diesen Erlebnisbericht mit einem gegenseitigen "Hmm" und gingen unseren Leben weiter nach. Das gleiche Gespräch führte ich abends noch einmal mit meinem Mann und dachte nicht weiter dran.

Eine Woche später kam jedoch eine Mail, die mein kleines Herz nach 4-monatiger Arbeitsplatzsuche zum Hüpfen brachte. Ich sollte kommen und einen Vertrag unterschreiben! Was da drin stehen würde? Sie ahnen es: keine Ahnung. Aber ich sprach einen Termin ab und machte mich mit einem Kugelschreiber im Gepäck und einem Lächeln im Gesicht auf den Weg.

Am Ende des Tages war ich dann schlauer. Statt 25-Stunden Teilzeit als Sachbearbeiterin mit mittelmäßiger Bezahlung (wie es die Stellenausschreibung versprach) verließ ich das Gebäude mit einem Arbeitsvertrag für 12 Stunden die Woche auf 400€ Basis als Bürogehilfin. Verstehen Sie mich nicht falsch. Prinzipiell okay. Aber habe ich erwähnt, dass ich studierte Wirtschaftsjuristin bin?

Mein Vater rollte angesichts dieser Wahnsinnsneuigkeit nur vielsagend mit den Augen und rung sich ein halbes Lächeln ab. Meine Mutter fand es okay für den Anfang und mein Mann war ganz stolz. Warum verstand hier allerdings so Recht keiner. Er ist eben ein lieber Kerl ;-)

Nun habe ich fast mein Einjähriges und der Weg, wie ich in die Nummer reingerutscht war, sollte bei Weitem nicht die einzige Kuriosität sein. Aber davon berichte ein anderes Mal. Jetzt warten die Unterlagen für mein Fernstudium ersteinmal auf mich. Schließlich bin ich wenig scharf darauf in vier Jahren von meinem 5-jährigen Firmen - Jubiläum zu berichten...bis dahin dürfen sich alle, denen dieser Einstieg bekannt vor kommt, verstanden fühlen.

Tschö,
e-

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